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Montag, 5. Juni 2006

Für Wieland-Freunde und solche, die es werden wollen:

Aristipp an Kleonidas:

Gleichwohl - darf ich dirs gestehen, Kleonidas? - däuchte michs schon am Abend des zweyten Tages, als ob mir das majestätische unendliche Einerley unvermerkt - lange Weile zu machen anfange. Himmel und Meer, in Einen unermeßlichen Blick vereinigt, ist vielleicht das größte und erhabenste Bild, das unsre Seele fassen kann; aber nichts als Himmel und Meer, und Meer und Himmel, ist, wenigstens in die Länge, keine Sache für deinen Freund Aristipp; und ich glaube wirklich, daß mir ein kleiner Sturm, mit Donner und Blitz und übrigem Zubehör, bloß der Abwechslung wegen, willkommen gewesen wäre.

Bärenkunde

Gefunden bei Astrid Paprotta:

Stoibers kleine Bärenkunde

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber gab am Dienstag eine öffentliche Stellungnahme zu dem Bär in Bayern ab. Hier ein Auszug, der vom SWR3 dokumentiert wurde:

„Äh, natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig, einen, äh, sich normal verhaltenden Bär in Bayern zu haben, äh, ja das ist gar net zum Lachen. Äh, und der Bär im Normalfall, ich muss mich ja auch, äh, Werner Schnappauf hat sich hier intensiv mit so genannten Experten ausgetauscht und austauschen, äh, müssen. Nun haben wir, der normal verhaltende Bär lebt im Wald, geht niemals raus und reißt vielleicht ein bis zwei Schafe im Jahr. Äh, wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Bären, dem Schadbär und dem Problembär. Und, äh, es ist ganz klar, dass, äh, dieser Bär, äh, ein Problembär ist und es ist im Übrigen auch, im Grunde genommen, durchaus ein gewisses Glück gewesen, er hat um 1 Uhr nachts praktisch diese Hühner gerissen. Und Gott sei Dank war in dem Haus, äh, war, also jedenfalls ist das nicht bemerkt worden. Auf Grund von, äh, es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich mal vor, der war ja mittendrin, stellen Sie sich mal vor, die Leute wären raus und wären praktisch jetzt, äh, dem Bär praktisch begegnet. Äh, was da hätte passieren können.“ SWR3

Danke, Astrid.

* geht jetzt in die Pfalz, wandern. Mal sehen, ob's da auch Bären gibt. Dahn. Weiß noch nicht, wo das ist...

Astrid Paprotta

soll in einem kleinen Heftchen von Dieter Paul Rudolph analysiert werden. Kann man gespannt sein. Finde ich einen interessanten Ansatz zu einer diskursiven, initiativen Krimikleinkultur. Er selbst schreibt dazu:

Krimiporträts.
Diese neue Reihe reagiert auf das fast völlige Fehlen detaillierter und werkübergreifender Aufsätze zur deutschen Kriminalliteratur der letzten Jahrzehnte. Auf durchschnittlich 24 Seiten wird der literarische Werdegang ausgesuchter AutorInnen beleuchtet, wobei das Werk, nicht die Biografie im Mittelpunkt steht. Den Anfang macht ein Aufsatz zu den Ina-Henkel-Krimis von Astrid Paprotta, der wahrscheinlich im Spätsommer zum Preis von 5-6 € erscheinen wird. Jedes Heft erscheint in limitierter und nummerierter Auflage von höchstens 100 Exemplaren. Es sind jährlich etwa 3 Hefte geplant. Die Reihe kann abonniert werden.
. Zu bestellen im Krimikaufladen

Ich finde allerdings, wer die Reihe abonniert, sollte eine Originalgrafik des berühmten saarländischen Illustrators Raphael Wünsch bekommen.

Im Internet

bei Amazon, gibt es natürlich schon einen Eintrag über Delius' neues Buch. Wenn ich der Rowohlt Verlag wäre, würde ich mir das nicht gefallen lassen und meine Novitäten auch schon ankündigen.

Verlagsvorschauen

sind oft ziemlich abstrus. Ihre übertriebenen Werbesprüche, die manchmal gar nichts aussagen. Die Drohungen, dass schon wieder zwei neue Bücher von Peter Sloterdijk erscheinen werden. Ihre falschen Informationen.

Der Rowohlt Verlag beispielsweise. Der nimmt als Überschrift über ein neues Buch von Abt Muho (ein Zen-Meister, früher hieß er Olaf Nölke, der das Antaiji in Japan leitet (was, nebenbei bemerkt, schon eine dolle Sache ist) den Spruch: Der einzige deutsche Zen-Meister. Was nun mal eindeutig falsch ist. Es gibt da schon einige mehr. Schon seit vielen Jahren.

Über ein neues Buch von Friedrich Christian Delius schreiben sie: dieses Buch entwickelt eine Sogkraft, der man sich kaum entziehen kann. Was Besseres, was Prägnanteres ist ihnen nicht eingefallen als diese abgelutschte Formulierung aus Schublade 5 der Werbetexter? Und als Zitate nehmen sie den Saarländischen Rundfunk: F.C. Delius ist zu einem Markenzeichen in der deutschen Literatur geworden. Und Dieser Autor beherrscht das Handwerk des Schreibens und versteht es, mit mehreren Bällen zu jonglieren. Das freut mich ja, dass Delius das Handwerk des Schreibens beherrscht.

Au wei.

(Übrigens hört sich das ganz interessant an, was da kommt: Delius: Bildnis der Mutter als junge Frau. Rowohlt. Ende September. Auf der Rowohlt-eigenen Seite leider noch nicht zu finden)

Gerade zu Ende gelesen:

Patrick Boman: Peabody geht fischen. Unionsverlag.

Witziger, etwas abstruser Krimi mit einem nicht besonders sympathischen Ermittler. Spielt in Südindien um 1900 herum, und die Weißen fühlen sich immer noch als Herren der Welt. Dass sie es nicht sind, zeigen sie alle: Inspector Peabody, der die Frau eines Verdächtigen sexuell nötigt und sich an die hübsche Nonne Mary ranmacht, der Hilfssteuereinnehmer Reginald Batterbury-Woods und seine frustrierte Gattin, der von sich sehr eingenommene, asketische Richter Frazier, der vor allem darauf achtet, dass man sein Essen ordentlich kaut, weil das gut für die Gesundheit ist, der irische Missionar und Freund eines feinen Whiskeys Father O'Reilly. Der Mord gefällt Peabody gar nicht. Nicht nur wegen des Toten, sondern vor allem, weil es ihn in seiner Ruhe stört. Was macht man da? Man findet möglichst schnell den Mörder. Viele skurrile Charaktere, viele krause Ideen.

Insgesamt: Eine feine Satire auf den Kolonialismus und eine hübsche Krimiparodie, manchmal etwas grob und derb und sogar unappetitlich, aber flott geschrieben und witzig.

Das Zitat des Tages

ist von Lichtenberg:

Es ist immer besser einem schlechten Schriftsteller gleich den Gnadenstoß zu geben, als ihn lebendig von unten herauf zu rezensieren.
(Materialheft I 76)

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Lesebefehl (-empfehlung)

A.L. Kennedy: Was wird Wagenbach Verlag --------------------------------------------- Shaun Tan: Die Fundsache. Carlsen Verlag --------------------------------------------- Brigitte Kronauer: Zwei schwarze Jäger. Verlag Klett-Cotta --------------------------------------------- Loisel / Tripp: Das Nest. Carlsen Verlag --------------------------------------------- Christian Geißler: Wird Zeit, dass wir leben. Rotbuch Verlag. vergriffen --------------------------------------------- Yijing. Theseus Verlag. vergriffen Hat jemand ein Exemplar für mich?

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