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Mittwoch, 28. Juni 2006

Gottfried Benn: Briefe.

Briefwechsel mit dem Limes Verlag (Klett Cotta, 2006). Habe ich gerade durchgesehen für meine Arbeit über Rainer M. Gerhardt. Eine wirklich (in Bezug auf Gerhardt) schlecht gemachte Edition. Mal abgesehen davon, dass nur Benns Briefe abgedruckt sind und nicht auch die seines Briefpartners, Max Niedermayer, die alle erhalten sind: Sowas macht man nicht.

Bei der ersten Erwähnung von Gerhardt wird er gar nicht erläutert - zitiert wird Paeschke, der Gerhardt Übersetzungen von Ezra Pounds Gedichten angreift (zu Unrecht, wie ich aus dem Vergleich der Übersetzungen von Gerhardt und Eva Hesse weiß, die Leser des Benn-Briefwechsel können das nicht wissen, denn Gerhardts Übersetzungen sind nicht greifbar). Bei der zweiten Stelle wird Gerhardt in einem Satz in der Anmerkung erläutert. Stelle 3 sagt gar nichts zu Gerhardt. Alle drei Stellen sind abfällige Bemerkungen von Gottfried Benn über Gerhardt. Eine ganz schlechte Herausgeberarbeit: Marguerite Valerie Schlüter und Holger Hof. Miserabel.

Denn: Es gibt Reden, in denen sich Benn lobend über Gerhardt geäußert hat, und Briefe von ihm an Gerhardt, in denen eine Zusammenarbeit angedeutet wurde. Erst als Gerhardt ihn in seiner kritischen Beilage "rundschau der fragmente" angegriffen hat, wurde Benn bissig. Erst als Gerhardt an Benns selbstgebasteltem Thron rüttelte und man merkte, dass hier ein Lyriker saß, der nicht zur Moderne gehörte, sondern auf das lyrische Alteisendepot (kein Wunder, dass das konservative Feuilleton ihn zum Propheten hochstilisierte: die wollten keine Avantgarde, die wollten sich, wie heute bei Durs Grünbein, ins Mythen-Altenheim geschaukelt fühlen). Gerhardt schreibt lapidar und pointiert: "Benn lehnt rückgriffe und sentiment ab. Wir müssen ihm aber bescheinigen, dass seine gedichte rückgriffe und sentiment sind. Sie sind ein sichgehenlassen in gefühlen, in stimmungen, aufgebauscht mit dem technischen können eines mannes, dem es möglich wäre, bei mehr härte und bei mehr disziplin gegenüber der sprache und gegenüber dem gedicht, wesentliches hervorzubringen."

Da begann Benn zu hetzen, wollte Gerhardt nicht mehr akzeptieren, stahl ihm sogar den Titel "fragmente" für seine nächste Gedichtsammlung und versuchte, auch Max Niedermayer zu beeinflussen. Von all dem steht in der Ausgabe mit ausgewählten Briefen kein einziges Wort, und auch die CD-ROM, die den vollständigen Briefwechsel (hier endlich die Antworten) als pdf-Datei bietet, sagt nichts dazu. Keine Relativierung der Aussagen von Benn, nicht einmal eine Erklärung. Auf den Knien herausgegeben der Band. Sehr ärgerlich.

(Ob das überall so ist, kann ich nicht sagen. Im Fall Gerhardt ist es so.)

Erich Kästner

Das Blaue Buch. Kriegstagebuch und Roman-Notizen: neu reingekommenes "Marbacher Magazin". Nr. 111/112. Gibt doch noch einiges zu entdecken bei diesem interessanten Autoren.

Das Tagebuch beginnt am 16.1.1941: "Der Entschluss ist gefasst. Ich werde ab heute wichtige Einzelheiten des Kriegsalltags aufzeichnen. Ich will es tun, damit ich sie nicht vergesse, und bevor sie, je nachdem wie dieser Krieg ausgehen wird, mit Absicht und auch absichtslos allgemein vergessen, verändert, gedeutet oder umgedeutet sein werden."

Der erste Eintrag: "Walther Kiaulehn sagte gestern Abend, als wir uns über den merkwürdigen Charakter des gegenwärtigen Kriegs unterhielten: ' Passen Sie auf, Kästner; 1945 wird Goebbels ein Buch 'Sechs Jahre Blitzkrieg!' herausbringen." Und dann einiges über Kiaulehn, seinen Charakter, seine Verhaltensweisen.

Marbach: Deutsches Literaturarchiv.

Ganz neue Recht Schrei Bung

fand Damaschke: "Zwei Hundert Tausend Euro". Nett. Spiegel Online.

Klarheit des Schreibens:

Man 'bewegt' den leser nur durch klarheit. Wenn man die bewegungen des 'menschlichen herzens' schildert, hängt die dauerhaftigkeit des geschriebenen von der genauigkeit ab. Es ist die sache, die wahr ist und wahr bleibt, die sich für den neuen leser frisch hält.

Ezra Pound, in: wie lesen. übersetzt von Rainer M. Gerhardt. Verlag fragmente, 1953 gedruckt in Karlsruhe-Durlach

Romantheorie.

Ich bin für das Unklare. Ein Roman sollte wie eine Uhr sein, der man niemals ansieht, wie spät es ist.

Franz Schuh: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche. Verlag Zsolnay

Bär und Schwein

nämlich Puh der Bär und Ferkel. Eine Meldung von AFP, die ich in der Welt gefunden habe:

Als der staatliche türkische Fernsehsender TRT vor wenigen Tagen einen Lizenzvertrag über die Ausstrahlung von Zeichentrickserien und Filmen aus der Traumfabrik Walt Disney unterzeichnete, da langten die Verantwortlichen so richtig zu. TRT wird in den nächsten vier Jahren 88 Kinofilme und 21 Serien mit insgesamt 914 Folgen ausstrahlen: Micky und Donald sind dabei, die "Toy Story" ebenso - aber nicht "Winnie Puuh". TRT-Fernsehdirektor Muharrem Sevil bestätigte jetzt offiziell, daß die Serie mit dem süßen Bären und seinem Freund Ferkel im Disney-Paket seiner Anstalt fehlt. Sendungen, die nicht zur "türkischen Kultur" paßten, würden nicht gesendet.

(...) Im Islam gelten Schweine als unreine Tiere, deren Fleisch nicht gegessen werden darf. Daß das kleine Ferkel in "Winnie Puuh" von niemandem verspeist wird, sondern nur bei lustigen Episoden mitwirkt, gilt Kritikern als Beweis dafür, daß bei TRT religiöse Eiferer am Werk sind, denen Schweine in allen Lebenslagen ein Greuel sind.

(...) So brachte unlängst ein AKP-Bürgermeister eine Verkehrsfibel heraus, in der Verkehrsunfälle als Folge eines göttlichen Ratschlusses bezeichnet wurden, was Vorsichtsmaßnahmen zur Unfallvermeidung in die Nähe von Gotteslästerung rückt.

Wie sagte

mein Verleger mal so schön: "Das fehlerfreie Buch ist noch nicht erfunden worden." Das gilt auch für schriftliche Äußerungen auf Blogs. Trotzdem: Was hier manchmal über den Äther geht (oder wie das im Internet heißt), ist schon oft ziemlich grausig. Da gibt es Blogs, in denen kein einziger Satz ohne grammatische oder Rechtschreibfehler ist. Ist aber nicht weiter schlimm, im Eifer des Schnellschreibgefechts kann das immer passieren. Und wenn's trotzdem interessant ist, kann man's einfach überlesen.

Wir hatten mal vor vielen, vielen, aber wirklich vielen Jahren eine Literaturzeitschrift (der Feldmann-Münster kennt sie noch), in der ein Gedicht von Heinz Rudolf Kunze stand, mit einem Druckfehler. In der nächsten Ausgabe haben wir es verbessert und dafür einen neuen Druckfehler reingesetzt, ganz aus Versehen. Haben wir gelacht. Kunze natürlich nicht. Und dann haben wir im Impressum immer dazugeschrieben: "Druckfehler sind gewolt."

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http://anobella2.twoday.ne t/stories/4410161/
Anobella - 14. Dez, 08:30
Hier ist nichts
off topic, und schon gar nicht, wenn es von dir kommt! *...
Giorgione - 11. Dez, 19:55
*off topic
http://tinyurl.com/yddbjmj
Anobella - 11. Dez, 19:45
Bei meinem Postboten...
warum er griesgrämig guckt: Er muss (immer seltener)...
Kle (Gast) - 10. Dez, 19:30

Lesebefehl (-empfehlung)

A.L. Kennedy: Was wird Wagenbach Verlag --------------------------------------------- Shaun Tan: Die Fundsache. Carlsen Verlag --------------------------------------------- Brigitte Kronauer: Zwei schwarze Jäger. Verlag Klett-Cotta --------------------------------------------- Loisel / Tripp: Das Nest. Carlsen Verlag --------------------------------------------- Christian Geißler: Wird Zeit, dass wir leben. Rotbuch Verlag. vergriffen --------------------------------------------- Yijing. Theseus Verlag. vergriffen Hat jemand ein Exemplar für mich?

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