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Samstag, 8. Juli 2006

(Es klappt, es klappt)

mit den Trackbacks. Meinen Dank an Oliver G. und sein Block-Seminar.

Laut laut LAUT

Wie war das mit Gernhardts 11. Gebot? "Du sollst nicht lärmen." Und diese Handybrüllerei finde ich auch grotesk. Wieso gehen alle auf den Balkon zum Telefonieren? Wieso sollen wir in jedem Geschäft, in jeder Straßenbahn mitkriegen, welche Geschäfte und welche Beziehungskämpfe die Leute austragen? Was soll das überhaupt? Ich kenne kaum jemanden, der wirklich ein Handy braucht und stündlich minütlich erreichbar sein muss. Früher ging's ja auch ohne. Ein Freund sagte mir mal, es sei für Geschäftsleute doch auch ein Zeichen dafür, dass sie die Arbeit nicht richtig eingeteilt, nicht richtig delegiert haben. Ecco!

Und in den Geschäften? In den Buchhandlungen? Telefonieren sie und rennen dabei herum, blättern in den Büchern undundund. Konzentriert sich jemand auf das Gespräch, auf sein Gegenüber? Pustekuchen.

Und morgens Lärm machen, das ist nur den Müllleuten gestattet. Die müssen so früh raus. (Übrigens sind unsere immer gut gelaunt, das ist erstaunlich.) Aber nicht der Nachbarin, die morgens um halb acht mit einem Motordings die Hecke schneidet oder den Rasen mäht, und die jeden, jeden, jeden Sonntag um sieben Uhr aus dem Haus geht, einmal am Briefkasten klappert, einmal am Hoftor klappert, einmal die Tür zuschmeißt. KRAWUMM!

Überhaupt, diese Laubpustedinger, die Motorsägen - ich komme mir schon vor, als wohnte ich in der Krachmacherstraße. Kann man nicht einen Besen nehmen, einen Heckenschere, eine Sense?

Aber die Leut' sind halt rücksichtsloser geworden. "Ich Ich Ich" (auch ein Buchtitel von Robert Gernhardt sel. A.,). Ob es jemanden stört, kümmert nicht. Hauptsache, ich tue der Welt kund, dass ich Freddy Quinn RICHTIG LAUT aufdrehen kann. (Gab mal einen Essay von Enzensberger, wo er die wahren Luxusgüter unserer Zeit aufgezählt hat, das waren u.a. Raum und Ruhe.)

Wenn ich abends auf dem Balkon sitze, dann unterhalte ich mich leise. Spreche leise. Bemühe mich, keine Flaschen umzuschmeißen. Und eigentlich erwarte ich das auch von anderen. So könnten wir nämlich zusammenleben. (OK, wenn man mal feiert, ist man mal lauter, aber doch bitte nicht im Sommer jeden Abend bis 3 Uhr. Ich bin nämlich auch Frühaufsteher.)

SO. Das musste mal gesagt werden. Und jetzt: Pschhhhhhhhh. Aaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhh: diese Ruhe...

Benn vs. Jünger

gab es in der Frühzeit der BRD auch, wie Julia Schröder in der Stuttgarter Zeitung weiß:

"Irgendwann, kurz nach Gründung der Bundesrepublik, wurde Gottfried Benn wieder berühmt. Ende 1949 erschien in den "Stuttgarter Nachrichten" ein kleines Feuilleton von Erich Kästner, "Marktanalyse", das schön zeigt, wie zwei schillernde Vertreter dessen, was sich während der NS-Zeit als "innere Emigration" verstanden hatte, wieder ins Geschäft gekommen waren: "Der Kunde zur Gemüsefrau: ,Was lesen Sie denn da, meine Liebe? Ein Buch von Ernst Jünger?" Die Gemüsefrau zum Kunden: ,Nein, ein Buch von Gottfried Benn. Jüngers kristalline Luzidität ist mir etwas zu prätentiös. Benns zerebrale Magie gibt mir mehr."" Wer so veräppelt wird, kann kein ganz Unbekannter sein."

Die Ausstellung im Marbarcher Museum für Literatur der Moderne findet sie allerdings grausig: man kann dem Publikum keine Schau wie diese zumuten. "Schau" ist überhaupt kein Ausdruck für das, was einen erwartet: ägyptische Finsternis mit fünf Vitrinen. (...) Dazu wird ein kopiertes Faltblatt gereicht, mit einer handgefertigten Skizze auf der Rückseite (in Marbach nennt sich so was "Mindmap") und auf der Vorderseite Erläuterungstexte, die man neben den Exponaten schmerzlich vermisst. Die Entzifferung dieser wertvollen Hinweise ist leider nur dem möglich, der den Raum verlässt."

Und sie schließt mit:" "Mit Hilfe der Askese" soll, nach Barthes (wem sonst?), "eine ganze Landschaft aus einer Saubohne" herausgelesen werden. Zuweilen sieht die Askese dem Unvermögen verteufelt ähnlich. Vitrinen voller Flachware sind tatsächlich nicht besonders hip, durch unübersichtliche Darbietung werden sie aber nicht hipper."

Na, dann muss ich da ja wirklich nicht hinfahren. Sondern kann auf den von Julia Schröder auch belobten Katalog warten, das Marbacher Magazin.

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Zuletzt aktualisiert: 26. Dez, 07:16

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