Donnerstag, 24. April 2008

Noch ein Wort

zur Kritikkritikerdebatte:

zu nutz und frommen

jo brauch ma dn de germanistn?
jo de brauch ma, du suamm.
waun de ned umgromm und umgromm und umgromm duan
daun is füü, wos ma gschriamm hom, fiar olle zeit gschduamm

Ernst Jandl


Gefunden, grad heut, bei Bonaventura.

Was ich vergaß:

TW macht eine putzige Anspielung und versteckte Hommage an einen, der da noch kommen wird: Es wird aber trotzdem auch so sein, dass die ganz großen Innovatoren, wo immer sie jetzt stecken mögen, Individuen sind, die aus irgendwelchen Ecken kommen, von denen wir keine Idee haben. Vielleicht aus der finnischen Taiga, dem saarländischen Bliesgau oder aus dem paraguayischen Regenwald.

Bliesgau! Ha! Weiß doch jeder, wo das ist.

Ach, Albertsen.

Die Geschichte in Hellenbellen finde ich übrigens auch gut. Sprachlich nicht gar so gelungen, mir zu hackig, zu atemlos, zu wenig flüssig erzählt. Z.B. die Wiederholungen auf der ersten Seite, "der Getroffene", nee, das ist ungeschickt. Aber wieso ratlos? Was gibt's da zu raten? Natürlich, wenn man das nicht versteht, wenn man das alles erklärt haben möchte, statt in der Geschichte zu bleiben... Mir gefällt sie. (Ich hätte übrigens den Absatz mit "ich komme mit" und den darauf gestrichen. Man muss immer alles streichen, was die Geschichte zu deutlich und zu eindeutig macht, gell, dpr?)

* sucht Lektoratsjob

Wenn man sich schon als Kritiker

unbeliebt machen kann, probier' ich das auch mal. Obwohl: Es ist jetzt keine richtige Kritik, weil ich nämlich kein Rezensionsexemplar bekommen habe, sondern es selbst bezahlen musste. Also werden auch keine Standards bedient, sondern es ist einfach nur ein Geplauder der Leseindrücke.

Ich habe nämlich jetzt fünf Mal in das neue Krmiijahrbuch reingeblättert und dieses und jenes gelesen. Ich finde es toll, dass es das Jahrbuch gibt und ich werde es auch weiterhin kaufen. Aber dieses hier fand ich ziemlich langweilig. Das lag nun aber leider zum großen Teil daran, dass ich nicht nur Zielgruppe gehöre: Zwei große Teile des dieses Jahr übrigens viel übersichtlicheren Jahrbuchs widmen sich den Kriminalfilmen und -hörspielen. Und da ich höchstens zweimal im Jahr ins Kino gehe, recht wenige DVDs sehe, keinen Fernseher habe und statt Radio zu hören eher lese oder Sport mache, interessiert mich die Literatur über diese Themen gar nicht. Überhaupt nicht. Null, nada, nüscht. Also, dazu sage ich mal gar nichts.

Aber das andere fand ich auch nicht so dolle. Angefangen beim Umschlag. Dass auf dem Bild Anobella zu sehen ist, ist schön. Schönes Bild, schönes Vor-Bild. Aber: Die Schrift "Krimijahrbuch" finde ich grausig verzerrt, die Herausgebernamen kann ich überhaupt nicht lesen. Hellrot auf Hellgrün! Und der Pfeil ist auch völlig unnötig und stört mich. Nun gut.

Aufgeschlagen. Die beiden Gespräche zwischen dpr und Ulrich Noller. Na gut. Meinswegen. Nicht gerade ein Höhepunkt der Kunst, aber immerhin sind einige Frechheiten und viele Empfehlungen und Abräte drin, zu denen ich doch nie kommen werde. Mit wenigen Ausnahmen. Jedenfalls bin ich immer froh, wenn mir Menschen, die so viel mehr lesen als ich und deren Geschmack ich halbwegs einordnen kann, nochmal das eine oder andere zusammenfassen und vorschlagen.

USA - die Krimipreise. Sorry, Burnt, I'm not interested.
Bilavsky - kann ich nicht beurteilen, weil ich keinen Überblick über die österreichischen Krimis habe. Bei dem einen oder anderen nicke ich: Jau.
SIEBEN für die Ewigkeit - kannte ich schon. Aber das passiert halt in einem Jahrbuch. Abgehakt.
Menschen... - nee, das fand ich alles ziemlich langweilig. Wenn schon ein Gespräch mit einem Autoren, dann muss es viel knackiger sein und tiefer gehen. Nicht dieses: Was hast du hier gemacht, wie bist du darauf gestoßen, was kommt in den nächsten Büchern. Etwas besser ist das Interview mit Gilbert Adair, aber auch das fand ich noch zu oberflächlich. Ja, ich weiß, das kann man nicht in so wenigen Seiten undsoweiter. Aber dann brauche ich es auch nicht. (Man kann es übrigens schon, es ist nur sehr schwierig. Oder man braucht Gesprächspartner, die das auch können: siehe unten.)

Alte Krimis.
dpr - natürlich. Gut. Stilistisch nicht immer ganz rein, aber gut. Wenn ich jetzt schreiben würde: recht kenntnisreich, wäre es ein Verriss, aber es ist wirklich kenntnisreich. Wenn ich das vergleiche mit den Auslassungen von Jochen Vogt, dann muss ich meinen Chapeau ziehen. Glatt überholt, den Professor (wieso Professor? Wieso nicht Prof. Dr.?). Und Vogt scheint das alles kaum zur Kenntnis zu nehmen.
Dr. Mabuse - na, ok.
Den Rest habe ich noch nicht gelesen, freue mich aber drauf, weil es Sachen anspricht, die mich interessieren, die auch teilweise neu für mich sind.

Höhepunkt des Ganzen ist das Interview mit Thomas Wörtche. Das ist jetzt wirklich ein Beitrag, den ich gelungen finde. Herzerfrischende Antworten, solide mit Fakten und Theorie unterfüttert, ohne aufdringlich zu sein, und zwischendurch mal knackig einen draufgehauen. Gut gemacht. Während ich seinen "staubtrockenen, humorlosen und kondensierten Kriterienkatalog" auch wieder etwas daneben finde, etwas zu gewollt.

So, jetzt haut mich. Aber ich dachte, wenn es schon keiner richtig bespricht, sag' ich mal einfach etwas Unausgegorenes dazu.

Hellenbellen

findet die Krimakte überhaupt nicht spannend: Nix mit Suspense ist der Verriss übertitelt. Dafür erwähnt er Albertsen. Aber wie! Die meisten (Geschichten) plätschern, oft psychologisch unglaubwürdig, bis zum Ende vor sich hin. Norbert Horst, Jürgen Albertsen und Carlo Schäfer lassen einen eher ratlos zurück. Einige, wie Henrike Heilands Theaterstück, Arthur Gordon Wolf und Sebastian Spengler, sind einfach missglückt. In diesem Umfeld wird Dieter Paul Rudolph mit seinem etwas länglichen Schulaufsatz „All-inclusive oder Wie ich meine großen Ferien verbracht habe“ zum Höhepunkt. Doch Schulaufsätze sind nicht spannend.

In der "Welt",

schreibt der Perlentaucher: Aus Anlass der Debatte um Gregor Schneider, der einen Sterbenden ausstellen will, erinnert Uta Baier im Feuilleton an einen anderen Skandalkünstler: Michelangelo, der nachts heimlich Leichen sezierte: "Ein Kunstskandal sondergleichen, an den das Ausstellen eines freiwilligen Toten nicht heran reicht. Doch niemand wendet sich heute angeekelt und empört von Michelangelos 'David' oder der Sixtinischen Kapelle ab, obwohl die Perfektion dieser Kunstwerke auf eben diesem Tabubruch des Sezierens und Kennenlernens des menschlichen Körpers beruht."

Sie vergisst dabei, dass Michelangelo das nicht als Kunst ausgegeben hat. Sondern es war für ihn Voraussetzung für seine Kunst. Das ist doch wohl ein Unterschied.
Immerhin hat Schneider es geschafft, in die Feuilletos zu kommen. Und vielleicht denkt der eine oder andere doch darüber nach. Ob es Kunst, was er da macht, und was er angeblich vorhat (auch zwei unterschiedliche Sachen, denn vielleicht war der Eklat durch die Ankündigung allein ja so geplant und eine reine Werbemaschinerie, die sehr schön gegriffen hat), ob das Kunst ist, bezweifle ich sehr stark.

Dafür

müsste der Perlentaucher eigentlich einen Preis bekommen, für solche Bemerkungen: Die FAZ diskutiert über Jutta Limbachs Buch "Hat Deutsch eine Zukunft?" und zwar, äh, naja... im Reading Room.

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Lesebefehl (-empfehlung)

Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels dtv, 14,90 Euro (philosophisch und etwas gefühlsselig: zwei Taschentücher am Ende) ---------------------------------------------- Edward Gorey: The Lugubrious Library. Diogenes Verlag, 89 Euro ---------------------------------------------- Brigitte Kronauer: Die Kleider der Frauen. Reclam. 4,80 Euro

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