Ein skurriler alter Mann in Island. Marjolijn Hof schreibt ein leichtes Buch über ein schweres Thema

"Wir müssen uns überlegen, was schlimmer ist", sagt Linde. "Opi Kas im Krankenhaus oder Opi Kas in den Bergen." Aber darüber muss Twan nicht nachdenken: "Opi Kas im Krankenhaus. Das ist das Schlimmste." Und das Schlimmste muss verhütet werden. Und damit das gelingt, verbünden sich die drei gegen die "Zimtziegen": Das sind die Mutter der Zwillinge Twan und Linde und ihre Großmutter, die Tochter von Opi Kas. Gemeinsam sind sie von Holland nach Island geflogen, um sich um Opi Kas zu kümmern, der über 90 ist und allein in einem winzigen Haus in einem winzigen Dorf auf Island lebt. Gekommen sind sie, um ihn abzuholen, ihn in ein Heim zu bringen oder ein Krankenhaus.

Opi-Kas

Aber Kas hat andere Pläne. Schon immer hat er ein bisschen anders gelebt, ist immer wieder geflüchtet und seiner eigenen Wege gegangen, war als Heringsfischer auf den Meeren unterwegs und kam dann nicht mit den anderen zurück, sondern fuhr noch nach Norwegen, Schottland oder Island. Ein freiheitsliebender Mensch, der sich nie einsperren lassen wollte. Oma sagt "Herumtreiber" dazu. Und jetzt soll er zurück, Oma und ihre Tochter ordnen seine Papiere, sortieren in Gedanken schon aus, was man wegwerfen kann und wollen einfach über ihn bestimmen. Denn es ist doch normal, dass alte Menschen in ein Heim kommen.

Wie in ihren anderen Büchern hat Majolijn Hof auch hier ein schwieriges, auch schmerzhaftes Thema in eine kleine, leichte, witzige und normale Geschichte verpackt. In kurzen Sätzen werden die Charaktere lebendig, die schnell nahgewordene Beziehung zwischen Twan und Kas, die zusammen im "Jungszimmer" übernachten müssen, auch die innige zwischen den Zwillingen Linde und Twan, die sich fast ohne Worte verstehen. Die Skurrilitäten eines alten Mannes, der kein Bad hat und auch keines will, sondern einmal in der Woche in das Schwimmbad des Dorfs geht. Der sein Gebiss in ein Glas steckt, aber den Jungen vorher warnt, nicht darüberzustolpern. Der durchführen will, was er sich in seinen Sturkopf gesetzt hat. Und der es am Schluss mit ihrer Hilfe auch macht: Mit einem Wanderstock, festen Schuhen, einem Rucksack und vielen Tipps von Twan, der gerade ein Survival-Handbuch liest. Und die Kinder decken seine Flucht am Abend, indem sie so tun, als wären sie alle schon im Bett, während die älteren Frauen eine Nachbarin besuchen. Und so geht der alte Mann am Ende in den Schneesturm, in die "Zombieberge", die am Anfang des kurzen Romans noch so bedrohlich um das Dorf herumstanden.

Ohne Moral, ohne ausufernde Diskussionen überlässt Hof es ganz den Lesern, den Ernst zu erfassen und sich eigene Gedanken zu machen. Über Leben und Tod, über die Würde. Das Schöne daran ist, dass diese Gedanken leicht daherkommen, dass sie ohne Zeigefinger präsentiert werden, dass diese Diskussionen nicht ausufern. Dass der Leser an die eigene Gedanken und Gefühle verwiesen wird, ganz automatisch und natürlich.

Und noch im letzten Satz gibt es eine überraschende, den Leser ins Ungewisse, ins Offene werfende Wende: Als Twan sagt, nach den Diskussionen, was das Beste ist, was man jetzt tun müsse, die Polizei rufen oder die Nachbarin fragen: "Ich glaube, dass es das Beste nicht gibt."

Marjolijn Hof: Opi Kas, die Zimtziegen und ich.
Übersetzt von Meike Blatnik.
Aladin Verlag, 142 S., 11,95 Euro
ab 10 Jahre

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