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Gefunden: Eine etwas angestaubte Krimidiskussion,

die leider immer noch nicht zu Ende geführt wurde. Höchstens heimlich, mit einigen schönen Ergebnissen. Wie dem Krimi-Jahrbuch, in dem Thomas Wörtche seine Ansätze ausformuliert hat. Oder dem Bemühen, Astrid Paprottas hohe Kunst zu würdigen. Und dann die anderen. Wobei man sieht, was das Krimi-Jahrbuch bedeuten kann.

Im "Angestaubt"-Blog u.a. die Klage:

TW schreibt: “Vor allem, da zunehmend Vergleichsmöglichkeiten fehlen wg. Unkenntnis und irgendwo der scheindemokratische “Konsens” aufgekommen ist, jede Meinung sei “gleichviel” wert. Das freut “den Markt”.”

Zustimmung von meiner Seite, nur, wo sind die Leute die die Kenntnis haben, eine “gewichtige” Meinung begründen und vertreten können? Es gibt nicht so viele und diese Stimmen gehen, leider, leider, im Gebrabbel einer Frau Wolff oder einer Frau Chaplet unter. Wenn Leute wie Ulrich Baron oder wie Kolja Mensing dumme Schafsromane im Feuilleton bejubeln, dann bekomme ich Kopfschmerzen. Leider keine Ausnahmen. Wo findet denn fundierte Krimikritik und -analyse statt? Ich will nichts klein reden, ich freue mich über jeden vernünftigen und streitbaren Text und jeden Kritiker/Autor/Laien, der solche Texte schreiben kann - es gibt nur nicht so viele oder sie haben keine Plattform. Dazu kommt die Denkfaulheit und das in den Köpfen vorhandene Urteil, Krimis haben bitte nichts anderes als Unterhaltung zu sein - oder sie sind gleich “literarische Krimis”.

Wieso eigentlich gibt es keine ordentliche Kriminalliteraturwissenschaft? Gibt es mehr als ein paar Ansätze? Bitte melden! Auch die Ansätze.
dpr (Gast) - 14. Jun, 16:26

Aha.

Du liest wieder mal die ollen Kamellen der Konkurrenz. Aber schon richtig. Das Harmonische ist der Feind des Fortschrittlichen, die Ignoranz die Feindin des Risikos. Daher wird es vorerst bei Ansätzen bleiben. Zum Beispiel Herrn Linders →Blog. Wo doch heute der Ich-mach-Werbung-für-den-Linderblog-Tag ist.

bye
dpr

Giorgione - 14. Jun, 16:34

Nur weiter so, dpr,

ich mach demnächst eine Rubrik mit Sentenzen auf und sammel schon ein bisschen: "Das Harmonische ist der Feind des Fortschrittlichen, die Ignoranz die Feindin des Risikos." Guter Anfang.
JL (Gast) - 14. Jun, 17:18

Was issen hier los?

Giorgione - 14. Jun, 17:26

Das muss man dpr fragen

ich weiß das auch nicht so genau. Ich halte mich aber, was Blog-Empfehlungs-Empfehlungen betrifft, strikt an seine Anweisungen. Vor allem, wenn ich sie richtig finde und den Blog gut.
JL (Gast) - 15. Jun, 10:06

Nachfrage

nachdem ich Ihre Anfrage wg. "ordentliche[r] Kriminalliteraturwissenschaft" überschlafen habe: was würde als eine solche qualifizieren? Ratlos: JL.

dpr (Gast) - 15. Jun, 10:13

Wenn der Herr Linder ausgeschlafen hat,

stellt er immer die heimtückischsten Fragen. Kriminalliteraturwissenschaft = Literaturwissenschaft. Erste Ableitung. Hm. Aber NUR? Gibts auch andere Vorgehensweisen? Sind Arno Schmidts "Nachtprogramme" Literaturwissenschaft? Nö. Doch. Auch. Aber nicht SO. Und Kriminal-? Trennen wir wie beim Müll? Kann ins Auge gehen resp. die Tonne.
Offenbare dich, o Tschordsch!

bye
dpr
*grübelt
Giorgione - 15. Jun, 12:27

Qualfizieren würde

eine solche die systematische Untersuchung aller Aspekte von Kriminalliteratur. Also: Inhalt, Aufbau, Struktur, Sprache, Personagen, Traditionslinien (Hoch- und Trivialliteratur: und da was genau...) Äh. So einfach und umfassend ist das.

Wie in der so unordentlichen Literaturwissenschaft gäbe es auch hier diverse theoretische Ansätze, von der psychoanalytischen über die strukturalistische bis zu wasweißichnoch-Methode. Wissenschaftlich wäre die Offenlegung der Methoden und Vorgehensweisen, dass sie jeder nachvollziehen, nachvollführen und angreifen kann.: der offene Diskurs.

Dazu gehört nicht nur eine Theoriefindung, sondern auch eine simple Begriffsbestimmung. Oder sind wir uns da schon einig, ohne es mal ausgesprochen zu haben?

Also: Frage in die Runde:
Was ist ein Krimi?
- Ein Roman mit mindestens einem Toten und der Aufklärung?
- Ein Roman mit einem Verbrechen, egal ob Aufklärung oder nicht?
- Ein Roman mit Verbrechen, aber ohne Aufklärung?
- Wie wichtig muss das Verbrechen für den Roman sein (Struktur, Sprache etc.), wie wichtig die Aufklärung, dass wir von Krimi sprechen?
- Was gehört an den Randzonen noch dazu? Warum?
- Was ist kein Krimi mehr? Warum? Warum nicht?

Wie wichtig ist uns die Sprache, dass wir mehr von einem Krimi sprechen? (Wimmelt ja in der "Hochliteratur" von Romanen, wo auch Verbrechen "vorkommen".)

Zur Kriminalliteraturwissenschaft (nein, das wird nicht abgekürzt!) gehört auch die Kriminalliteraturgeschichte. Wo fängt sie an? Das weiß dpr vielleicht am besten (besser als ich eh). Oder Thomas Wörtche.

(War jetzt auch nur mal so schnell reingeworfen...)

(Die "Nachtprogramme" sind keine Literaturwissenschaft, sondern Essays oder Features.)
JL (Gast) - 15. Jun, 12:53

ja dann ...

zur Einstimmung erst ein Wörtche-Zitat: "Die Grundaporie der Forschung ist der Umstand, daß aus der statistischen Häufung und Wiederholung von Handlungs- und Personalanalogien, die sich für die jeweiligen Ausprägungen durch Inhaltsparaphrase festlegen lassen, nicht zwingend auf definitorisch hinreichende Merkmale für einen Gatttungsbegriff schließen läßt. Der Kriminalroman bleibt deshalb ein erhebliches Forschungsdesiderat" (S. 344).

Dann die einfacheren Lektüreempfehlungen: die Neuauflage des Sammelbandes von Vogt (1998), das Metzler-Bändchen von Nusser (3. Aufl. 2003), immer wieder Hügel (1978), die Ansätze in den Sammelbänden von Schönert (1983, 1991, da helfen dann die Einleitungen weiter, dito Linder/Ort 1999), die Textdokumentationen von Dainat fürs 18. Jh. , Linder fürs 19. Jh. Medienhistorisch sehr anregend ist Holzmann 2001 (s. a. Vogt 2004-- usw. usf. (Ich mach das Faß schnell wieder zu ...)

Im Netz gibt es einige anregende Bibliographien. Ich empfehle immer diese: http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/mitarbeiter/ort/Lehrveranstaltungen/vorlesung00/vl.htm
-- wobei die mit "Literaturhinweise" gekennzeichneten Links wahre Fundgruben sind.

Viel Spass bei der Lektuere: JL.
Giorgione - 15. Jun, 14:01

Na wunderbar,

vielen Dank. Da hab ich ja wirklich was zu lesen (wann nur?). Habe ich auch gemerkt, dass es schon lange her ist, seit ich mich systematisch damit beschäftigt habe, von daher kenne ich Vogt, Nusser, Hügel und Schönert (in den alten Auflagen) und ein paar andere.

Aber da ist ja wirklich mehr getan worden als ich dachte. Uni Kiel, soso. Dr. Linder, aha.

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