Benn vs. Jünger
gab es in der Frühzeit der BRD auch, wie Julia Schröder in der Stuttgarter Zeitung weiß:
"Irgendwann, kurz nach Gründung der Bundesrepublik, wurde Gottfried Benn wieder berühmt. Ende 1949 erschien in den "Stuttgarter Nachrichten" ein kleines Feuilleton von Erich Kästner, "Marktanalyse", das schön zeigt, wie zwei schillernde Vertreter dessen, was sich während der NS-Zeit als "innere Emigration" verstanden hatte, wieder ins Geschäft gekommen waren: "Der Kunde zur Gemüsefrau: ,Was lesen Sie denn da, meine Liebe? Ein Buch von Ernst Jünger?" Die Gemüsefrau zum Kunden: ,Nein, ein Buch von Gottfried Benn. Jüngers kristalline Luzidität ist mir etwas zu prätentiös. Benns zerebrale Magie gibt mir mehr."" Wer so veräppelt wird, kann kein ganz Unbekannter sein."
Die Ausstellung im Marbarcher Museum für Literatur der Moderne findet sie allerdings grausig: man kann dem Publikum keine Schau wie diese zumuten. "Schau" ist überhaupt kein Ausdruck für das, was einen erwartet: ägyptische Finsternis mit fünf Vitrinen. (...) Dazu wird ein kopiertes Faltblatt gereicht, mit einer handgefertigten Skizze auf der Rückseite (in Marbach nennt sich so was "Mindmap") und auf der Vorderseite Erläuterungstexte, die man neben den Exponaten schmerzlich vermisst. Die Entzifferung dieser wertvollen Hinweise ist leider nur dem möglich, der den Raum verlässt."
Und sie schließt mit:" "Mit Hilfe der Askese" soll, nach Barthes (wem sonst?), "eine ganze Landschaft aus einer Saubohne" herausgelesen werden. Zuweilen sieht die Askese dem Unvermögen verteufelt ähnlich. Vitrinen voller Flachware sind tatsächlich nicht besonders hip, durch unübersichtliche Darbietung werden sie aber nicht hipper."
Na, dann muss ich da ja wirklich nicht hinfahren. Sondern kann auf den von Julia Schröder auch belobten Katalog warten, das Marbacher Magazin.
"Irgendwann, kurz nach Gründung der Bundesrepublik, wurde Gottfried Benn wieder berühmt. Ende 1949 erschien in den "Stuttgarter Nachrichten" ein kleines Feuilleton von Erich Kästner, "Marktanalyse", das schön zeigt, wie zwei schillernde Vertreter dessen, was sich während der NS-Zeit als "innere Emigration" verstanden hatte, wieder ins Geschäft gekommen waren: "Der Kunde zur Gemüsefrau: ,Was lesen Sie denn da, meine Liebe? Ein Buch von Ernst Jünger?" Die Gemüsefrau zum Kunden: ,Nein, ein Buch von Gottfried Benn. Jüngers kristalline Luzidität ist mir etwas zu prätentiös. Benns zerebrale Magie gibt mir mehr."" Wer so veräppelt wird, kann kein ganz Unbekannter sein."
Die Ausstellung im Marbarcher Museum für Literatur der Moderne findet sie allerdings grausig: man kann dem Publikum keine Schau wie diese zumuten. "Schau" ist überhaupt kein Ausdruck für das, was einen erwartet: ägyptische Finsternis mit fünf Vitrinen. (...) Dazu wird ein kopiertes Faltblatt gereicht, mit einer handgefertigten Skizze auf der Rückseite (in Marbach nennt sich so was "Mindmap") und auf der Vorderseite Erläuterungstexte, die man neben den Exponaten schmerzlich vermisst. Die Entzifferung dieser wertvollen Hinweise ist leider nur dem möglich, der den Raum verlässt."
Und sie schließt mit:" "Mit Hilfe der Askese" soll, nach Barthes (wem sonst?), "eine ganze Landschaft aus einer Saubohne" herausgelesen werden. Zuweilen sieht die Askese dem Unvermögen verteufelt ähnlich. Vitrinen voller Flachware sind tatsächlich nicht besonders hip, durch unübersichtliche Darbietung werden sie aber nicht hipper."
Na, dann muss ich da ja wirklich nicht hinfahren. Sondern kann auf den von Julia Schröder auch belobten Katalog warten, das Marbacher Magazin.
Giorgione - 8. Jul, 08:19
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