Wenn man sich schon als Kritiker

unbeliebt machen kann, probier' ich das auch mal. Obwohl: Es ist jetzt keine richtige Kritik, weil ich nämlich kein Rezensionsexemplar bekommen habe, sondern es selbst bezahlen musste. Also werden auch keine Standards bedient, sondern es ist einfach nur ein Geplauder der Leseindrücke.

Ich habe nämlich jetzt fünf Mal in das neue Krmiijahrbuch reingeblättert und dieses und jenes gelesen. Ich finde es toll, dass es das Jahrbuch gibt und ich werde es auch weiterhin kaufen. Aber dieses hier fand ich ziemlich langweilig. Das lag nun aber leider zum großen Teil daran, dass ich nicht nur Zielgruppe gehöre: Zwei große Teile des dieses Jahr übrigens viel übersichtlicheren Jahrbuchs widmen sich den Kriminalfilmen und -hörspielen. Und da ich höchstens zweimal im Jahr ins Kino gehe, recht wenige DVDs sehe, keinen Fernseher habe und statt Radio zu hören eher lese oder Sport mache, interessiert mich die Literatur über diese Themen gar nicht. Überhaupt nicht. Null, nada, nüscht. Also, dazu sage ich mal gar nichts.

Aber das andere fand ich auch nicht so dolle. Angefangen beim Umschlag. Dass auf dem Bild Anobella zu sehen ist, ist schön. Schönes Bild, schönes Vor-Bild. Aber: Die Schrift "Krimijahrbuch" finde ich grausig verzerrt, die Herausgebernamen kann ich überhaupt nicht lesen. Hellrot auf Hellgrün! Und der Pfeil ist auch völlig unnötig und stört mich. Nun gut.

Aufgeschlagen. Die beiden Gespräche zwischen dpr und Ulrich Noller. Na gut. Meinswegen. Nicht gerade ein Höhepunkt der Kunst, aber immerhin sind einige Frechheiten und viele Empfehlungen und Abräte drin, zu denen ich doch nie kommen werde. Mit wenigen Ausnahmen. Jedenfalls bin ich immer froh, wenn mir Menschen, die so viel mehr lesen als ich und deren Geschmack ich halbwegs einordnen kann, nochmal das eine oder andere zusammenfassen und vorschlagen.

USA - die Krimipreise. Sorry, Burnt, I'm not interested.
Bilavsky - kann ich nicht beurteilen, weil ich keinen Überblick über die österreichischen Krimis habe. Bei dem einen oder anderen nicke ich: Jau.
SIEBEN für die Ewigkeit - kannte ich schon. Aber das passiert halt in einem Jahrbuch. Abgehakt.
Menschen... - nee, das fand ich alles ziemlich langweilig. Wenn schon ein Gespräch mit einem Autoren, dann muss es viel knackiger sein und tiefer gehen. Nicht dieses: Was hast du hier gemacht, wie bist du darauf gestoßen, was kommt in den nächsten Büchern. Etwas besser ist das Interview mit Gilbert Adair, aber auch das fand ich noch zu oberflächlich. Ja, ich weiß, das kann man nicht in so wenigen Seiten undsoweiter. Aber dann brauche ich es auch nicht. (Man kann es übrigens schon, es ist nur sehr schwierig. Oder man braucht Gesprächspartner, die das auch können: siehe unten.)

Alte Krimis.
dpr - natürlich. Gut. Stilistisch nicht immer ganz rein, aber gut. Wenn ich jetzt schreiben würde: recht kenntnisreich, wäre es ein Verriss, aber es ist wirklich kenntnisreich. Wenn ich das vergleiche mit den Auslassungen von Jochen Vogt, dann muss ich meinen Chapeau ziehen. Glatt überholt, den Professor (wieso Professor? Wieso nicht Prof. Dr.?). Und Vogt scheint das alles kaum zur Kenntnis zu nehmen.
Dr. Mabuse - na, ok.
Den Rest habe ich noch nicht gelesen, freue mich aber drauf, weil es Sachen anspricht, die mich interessieren, die auch teilweise neu für mich sind.

Höhepunkt des Ganzen ist das Interview mit Thomas Wörtche. Das ist jetzt wirklich ein Beitrag, den ich gelungen finde. Herzerfrischende Antworten, solide mit Fakten und Theorie unterfüttert, ohne aufdringlich zu sein, und zwischendurch mal knackig einen draufgehauen. Gut gemacht. Während ich seinen "staubtrockenen, humorlosen und kondensierten Kriterienkatalog" auch wieder etwas daneben finde, etwas zu gewollt.

So, jetzt haut mich. Aber ich dachte, wenn es schon keiner richtig bespricht, sag' ich mal einfach etwas Unausgegorenes dazu.
dpr (anonym) - 24. Apr, 16:31

Du hast ja wohl ÜBERHAUPT KEINE Ahnung!

Wie gut, dass du das KJB hast bezahlen müssen, auf ein Rezensionsexemplar brauchst du gar nicht mehr zu spannen! Außerdem weichst du von dem Text ab, den ich dir diktiert habe. Es muss heißen "stilistisch über die Maßen rein". Nicht mal richtig abschreiben kann dieser Kritiker in Anführungszeichen!

bye
dpr
*wirklich kein Rezensionsexemplar gekriegt?
**bezahlt?
***dann ist was fürchterlich schiefgelaufen
****nächste Jahr kriegste dafür zwei

Giorgione - 24. Apr, 17:41

Mist!

Da haben deine beiden ukrainischen Zwangspraktikantinnen, die du aus dem Bliesgau geschickt hast und die gleich mehrere Tage blieben, aber was ganz falsch gemacht. Habe ich extra genau so diktiert. Muss wohl am vielen Champagner liegen.

Entschuldige bitte.

Also: Es heißt ganz richtig, dass Herrn Rudolphs Text über die alten Krimis stilistisch über die Maßen rein ist, dass sich sogar Arno Schmidt mit roten Ohren versteckt hätte.
dpr (anonym) - 24. Apr, 19:17

Wie bitte?

Du hast die beiden Mädels ABTIPPEN lassen? Die haben doch ganz andere Qualitäten, Mönch! Katinka macht den besten Borschtsch westlich des Urals. Und Oxana kann dir zu jedem beliebigen Datum die Fußballergebnisse der sowjetischen ersten Liga während der Stalinzeit nennen. 23.Oktober 1951, Traktor Leningrad gegen Plansoll Wladiwostok... na, Oxana? - 4:3! Richtig!

bye
dpr
Giorgione - 24. Apr, 22:31

Oh je.

Bei mir waren Nastassia, feingliedrig und eloquent, und Tanjuschka, selbstbewusst und intrikat. Keine fuhr jemals Traktor, nur ihr Plansoll erfüllten sie über (Oder heißt es übererfüllten sie?). Sie meinten, sie kämen von Dieter Paulowitsch, ich dachte also, von dir. Oh je. Wo sind Katjuschka und Oxana gelandet? Bitte melden!

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