Robert Gernhardt
ist gestorben. Julia Schröder beginnt in der Stuttgarter Zeitung ihren Nachruf mit: Gestern Mittag in deutschen Redaktionen: tief erschütterte Feuilletonredakteure beugen sich über die Werke eines mehr als geschätzten, soeben dahingegangenen Dichters und Künstlers. Plötzlich erfüllt haltloses Gekicher die schwüle Luft. Robert Gernhardt ist tot, achtundsechzig ist kein Alter, es ist eigentlich zum Heulen. Aber sein Cartoon „Der Kragenbär“ (Sie wissen schon: „Der Kragenbär / der holt sich / munter / einen nach / dem andern“ usw.) ist sehr, sehr komisch, und Komik kennt kein Gebot. Erst dann wird auch sie ernst und schreibt einen schönen langen Nachruf, mit u.a. diesem: Es hat dann auch noch eine Weile gedauert, bis sich herumgesprochen hat, dass dieses Leichte schwer zu machen ist und auch dieser Verfertiger des Heiteren ernst genommen gehört. Es ist ja auch nicht so einfach für uns Normalkomikverbraucher, nach dem ersten, unreflektierten Amüsement zu erkennen, wie sorgfältig die Schatten verteilt, wie geschickt Bild und Text auf einander bezogen sind, wie zwingend der Reim und wie gelingend das Timing in Cartoons wie „Franz im Pech“ (aus den Bildgedichten „Hier spricht der Dichter“ von 1985): „Der Teller ist mit Wein gefüllt ... / ... im Glase liegt der Braten - : / Wie froh war Franz zum Mahl geeilt ... / ... wie sehr ist es missraten!“
Giorgione - 1. Jul, 08:26